Nachlese Bina Mira 2018

Happy Birthday Bina Mira in BiH!

Vor 10 Jahren legte Heinz Jussen im Gründerort Tuzla, in Bosnien und Herzegowina, nach aggressiven Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen diverser Ethnien im Nachkriegsjugoslawien, den Grundstein zur Friedensbühne Bina Mira, nicht aus Holz, sondern als internationales Wanderfestival mit Schwerpunkt Theater. Vom 16.9.-23.9.18 durften in Tuzla 10 Partner aus 6 Nationen den 10. Geburtstag feiern, alle erfreut über die Langlebigkeit und Nachhaltigkeit dieser genialen Friedensidee.

Die halbjährige Organisation für die Ausführung der Jugendbegegnung fand ihren Höhepunkt am 21.09.18, dem Weltfriedenstag, mit der öffentlichen Präsentation der 6 Workshopergebnisse im Bereich Theater, Tanz, Musik, Foto und Kunst.

100 Kerzen wurden zur Kapija gebracht, dem Ort des Gedenkens der 71 toten Jugendlichen, die am 25.05.1995 einem Granatenangriff zum Opfer fielen.

100 weiße T-Shirts mit der symbolischen Kaffeetasse** hießen die Teilnehmer willkommen, ließen die Gemeinsamkeit unter den Teilnehmern, die Zugehörigkeit zu Bina Mira deutlich werden und zogen die Aufmerksamkeit der örtlichen Bevölkerung auf sich.

 

12 Theater- und Tanzaufführungen fanden an den Abenden statt und gaben Anlass zu spannenden und kritischen Diskussionen zur aktuellen Situation in West-, Mittel-, Nord- und Osteuropa.

30 junge Tuzlaer Theaterspieler begleiteten die Jugendlichen zu allen Orten, versorgten sie mit Mittagessen, Taxis und KM (konvertible Mark), waren permanent ansprechbar, hilfsbereit und zeigten große Gastfreundlichkeit.

20 Interviews von Vertretern der Presse und der Fernsehsender bewiesen Interesse und Neugier für das Festival in Tuzla und berichteten täglich live in den Nachrichten mit Interviewpartnern aus Belgien, Bosnien-Herzegowina, Deutschland, Polen, Rumänien und Serbien über das Friedensfestival.

5 Highlights seien besonders erwähnt:

  1. die Theateraufführung einer taubstummen Gruppe im DISteatar in Banja Luka
  2. die Resultate des Theaterworkshops von Adnan, darstellend, wie für Film und Theater künstliche Wunden hergestellt werden
  3. die Einladungen zur Behindertenassoziation KORACI NADE (Schritte der Hoffnung) und zu VIVE ŽENE, einem Verein, der durch den Krieg geschändeten Frauen therapeutisch und psychologisch beisteht.
  4. die Bemalung der Hinterwand des Kaleidoskop-Theaters durch die Teilnehmer im Kunstworkshop mit Sebastian
  5. der am Abend spendierte, meist selbsgebrannte Slibowitz, der zwangsläufig eine extrem günstige Taxifahrt vom Theaterort zum Motel erforderte und mit 2,50 € Nachttarif erfreulich schwach zu Buche schlug, was vom Hochprozentigen mit seinen Spätfolgen nicht behauptet werden konnte.

Und wer touristisch auf seine Kosten kommen wollte, hatte fast jeden Abend 2 Stunden Zeit, die 110 000 Einwohner zählende Stadt zu erkunden und im Panonsko Lake, einem künstlichen Salzsee zu baden. Tuzla ist die einzige Stadt in Europa, die einen salzigen See mitten im Zentrum besitzt. Nicht umsonst kommt also ihr Name vom türkischen Wort „tuz“ und bedeutet übersetzt „Salz“.Ein Fünftel des Wassers ist natürliches Salzwasser, dem eine heilende Wirkung nachgesagt wird.Und wer ein Kaffeefreund ist, hatte am 21.09.18 die Gelegenheit, aus der im Guinessbuch der Rekorde erwähnten „džezve“ 8000 kleine Tassen Kaffee zu trinken, der nach bosnischer Art mit 65 kg gemahlenem Kaffee in 650 l kochendem Wasser aufgebrüht wird, dazu tunkt der Kaffeejunkie ein Stück Würfelzucker in den heißen Kaffee ohne Zugabe von Milch.

Cevapcici , die berühmten Hackfleischröllchen mit rohen Zwiebeln, Reis und Salat waren für umgerechnet 3,50 € auf jeder Speisekarte zu haben. Ohne die Kofinanzierung von  EU-Erasmus+ und dem Jugendstrategieplan Ostbelgien wäre das Friedenstheaterfestival mit 100 Jugendlichen in BiH nicht durchführbar gewesen. Bei beiden Geldgebern bedanken sich alle ganz herzlich. Alles in allem war es ein sehr gelungenes Festival mit vielen neuen Freundschaften, dem Wunsch nach weiteren Jugendbegegnungen, einem großen Dankeschön an die Organisatoren und an Heinz Jussen für Bina Mira.

Auf Wiedersehen im nächsten Jahr!